Die Bestimmung der Wollanteile in einem Wollmischgarn ist oft entscheidend für die Auswahl des richtigen Garns und die Verarbeitung. Ein einfacher und zuverlässiger Test ist die Brennprobe. Diese Methode ermöglicht es, die Zusammensetzung des Garns grob zu bestimmen, indem man die Reaktion des Materials auf eine Flamme beobachtet. Allerdings liefert die Brennprobe keine exakten Prozentangaben der einzelnen Fasern, sondern dient eher als Orientierungshilfe. Wichtig ist, dass die Probe stets an einer unauffälligen Stelle durchgeführt wird und man vorher mögliche Schäden an dem Garn berücksichtigt.
1. Vorbereitung der Brennprobe
Zuerst benötigt man ein kleines Stück des Wollmischgarns. Etwa 5 bis 10 cm Länge reichen in der Regel aus. Dieses Garnstück sollte von einer unauffälligen Stelle entnommen werden, um das Gesamtstück nicht zu beschädigen. Es ist wichtig, das Garn vor dem Test nicht zu waschen, da dies das Ergebnis verfälschen könnte. Zusätzlich benötigt man eine Zündquelle, wie zum Beispiel ein Feuerzeug oder Streichhölzer. Eine feuerfeste Unterlage, wie zum Beispiel eine Metallplatte oder ein Aschenbecher, schützt den Untergrund vor Beschädigungen.
2. Durchführung der Brennprobe
Das Garnstück wird an einem Ende mit der Zündquelle in Berührung gebracht. Die Flamme sollte nicht zu groß sein, um ein schnelles und kontrolliertes Abbrennen zu ermöglichen. Während des Brennens sollte man die folgenden Aspekte genau beobachten:
| Merkmal | Verhalten bei Wollanteil | Verhalten bei anderem Anteil (z.B. Baumwolle, Kunstfaser) |
|---|---|---|
| Geruch | Brennt mit einem typischen, leicht beißenden Geruch, ähnlich wie verbranntes Haar. | Geruch unterscheidet sich deutlich (z.B. süßlich, chemisch) |
| Brenngeschwindigkeit | Brennt relativ langsam und gleichmäßig. | Kann schneller oder langsamer brennen, je nach Faser. |
| Asche | Hinterlässt eine dunkle, spröde Asche, die leicht zerbröselt. | Asche kann anders aussehen (z.B. hart, kugelförmig, farbig) |
| Verhalten nach dem Löschen | Die Glut erlischt nach dem Entfernen der Flamme relativ schnell. | Glut kann weiter glimmen oder sogar nachglühen. |
3. Interpretation der Ergebnisse
Ein Wollanteil im Garn zeigt sich durch einen typischen Geruch, der an verbranntes Haar erinnert. Die Asche ist dunkel, brüchig und zerbröselt leicht. Das Garn brennt relativ langsam und die Glut erlischt schnell nach dem Entfernen der Flamme. Weicht das Ergebnis deutlich von diesen Merkmalen ab, deutet dies auf einen hohen Anteil anderer Fasern hin. Ein süßlicher Geruch kann auf Baumwolle hindeuten, während ein chemischer Geruch auf Kunstfasern schließen lässt. Eine harte, kugelförmige Asche ist ebenfalls ein Hinweis auf Kunstfasern.
4. Einschränkungen der Brennprobe
Die Brennprobe ist ein grober Test und liefert keine präzisen Angaben zum prozentualen Anteil der einzelnen Fasern. Sie dient lediglich als Orientierungshilfe. Für eine genaue Bestimmung der Faserzusammensetzung sind labortechnische Verfahren notwendig. Die Ergebnisse können auch durch die Zusammensetzung der Wollmischung (z.B. verschiedene Wollarten) beeinflusst werden. Ein erfahrenes Auge kann jedoch durch die Beobachtung von Farbe, Textur und dem Brennvorgang schon ein recht gutes Bild von der Zusammensetzung bekommen.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Brennprobe eine einfache und schnelle Methode zur groben Bestimmung des Wollanteils in einem Wollmischgarn darstellt. Sie ist jedoch keine wissenschaftlich präzise Methode und sollte eher als erste Orientierung dienen. Für eine exakte Analyse der Faserzusammensetzung ist ein professionelles Labor unerlässlich. Die Beobachtung der verschiedenen Merkmale wie Geruch, Brenngeschwindigkeit und Aschebeschaffenheit in Kombination mit der Erfahrung liefert jedoch schon wertvolle Hinweise auf die Zusammensetzung des Garns.


